Zum Hauptinhalt springen

Ausschreibungsstreit um Kontrastmittel

 

In den KV-Bezirken Schleswig-Holstein, Nordrhein, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben die Krankenkassen die Belieferung der Vertragsarztpraxen mit Kontrastmitteln auf ein öffentliches Ausschreibungsverfahren umgestellt. Das Besondere an den Ausschreibungen ist die wirkstoffübergreifende Einteilung der ausgeschriebenen Fachlose.

Die Krankenkassen in den KV-Bezirken Schleswig-Holstein, Nordrhein, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben im Mai 2016 im europäischen Amtsblatt miteinander abgestimmte Ausschreibungen für Kontrastmittel angekündigt. Bei diesen Ausschreibungen erfolgte die Einteilung der Fachlose wirkstoffübergreifend, d. h. bezogen auf Anwendungsgebiete und therapeutische Eigenschaften und nicht auf die zugelassenen Präparate. So wurde beispielsweise eine Gruppe von MRT-Kontrastmitteln gebildet, die sich ausnahmslos aus makrozyklischen Gadolinium-haltigen Wirkstoffen zusammensetzt. Im konkreten Beispiel waren dies Präparate mit den Wirkstoffen Gadobutrol, Gadoterat, Gadoteridol und deren Generika. Innerhalb dieser Fachlose konkurrierten die Angebote für die einzelnen Wirkstoffe untereinander, um im Ergebnis zu einem Gewinnerprodukt zu führen. Dieses Gewinnerprodukt des Fachloses sollen die Radiologen, so ist es die Intention der Krankenkassen, sodann ausnahmslos verwenden.

Das neue, komplexe Ausschreibungsverfahren, welches letztlich an der Verordnungs- und Therapiefreiheit der Radiologen rüttelt, hat in den letzten Monaten zu viel Unruhe geführt. Zum einen wurden die betroffenen Fachärzte bzw. Facharztverbände erst sehr spät über die Ausschreibung informiert, zum anderen steht ein finales Ergebnis aufgrund von verfahrensrechtlichen Rügen und Beschwerden der einzelnen Anbieter immer noch nicht fest, obwohl die Ausschreibungen bereits seit dem 1. November 2016 teilweise in Kraft getreten sind.

Die Online-Ausgabe der Ärzte Zeitung vom 23. November 2016 greift dieses Thema auf. Die Autorin Ilse Schlingensiepen titelt, dass NRW-Radiologen durch die von der AOK Rheinland/Hamburg implementierte Kontrastmittel-Ausschreibung ihre Therapiefreiheit bedroht sähen. Das Brisante an der Ausschreibungsstruktur ist, dass Radiologen verpflichtet werden, eine wirkstoffübergreifende Substitution (sog. aut simile, nicht aut idem) umzusetzen. "Die damit verbundenen haftungsrechtlichen Risiken verbleiben beim Radiologen", so die KV Nordrhein.

Haftungsrisiko beim Radiologen und Einschränkung der Therapiefreiheit

Derzeit wird in den Berufsverbänden, den KVen und Anwenderkreisen intensiv diskutiert, auf welcher rechtlichen Grundlage ein Arzt dazu verpflichtet werden kann, einer derartigen Wirkstoffsubstitution zuzustimmen. Verschärfend kommt hinzu, dass der verordnende Arzt unverändert das Haftungsrisiko der Arzneimittelverabreichung trägt, auch wenn die Auswahl des Wirkstoffes von der Krankenkasse vorgegeben wird.

Die Ärzte Zeitung führt weiter aus, dass sich auch die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein mit diesem Thema beschäftigt habe. "Die Kammerversammlung lehnt eine Einschränkung der freien Auswahl von Kontrastmitteln zur Verwendung in der GKV ab", heiße es in einem Antrag des Ärztebündnisses Nordrhein.

Aktuell haben die Radiologen in den betroffenen KV-Bezirken noch keinerlei Klarheit über das weitere Vorgehen der Krankenkassen. Es bleibt zu wünschen, dass dieser unbefriedigende Zustand bald ein Ende findet.

Quelle: Ärzte Zeitung, Online-Ausgabe vom 23. November 2016 Zweiter Artikel

Lassen Sie sich inspirieren