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Orthopädie und Unfallchirurgie meets Radiologie

Die richtigen Fragen stellen und eine gemeinsame Sprache finden

Die Interdisziplinarität in der Medizin zu befördern, hat sich das Petersberger Symposium auf die Fahnen geschrieben. Die 10. Jubiläumsveranstaltung unter dem Dach von netzwerk wissen im September dieses Jahres widmete sich einem Bereich, in dem die Verzahnung zweier Disziplinen von besonderer Bedeutung ist: Unter dem Titel „Radiologie meets Orthopädie und Unfallchirurgie: Muskuloskelettales Update 2016“ stand diesmal die Tagung in Bonn, bei der rund 200 Teilnehmer für ein „volles Haus“ sorgten.

„Sich einander annähern zu können, macht die Bedeutung der Veranstaltung aus“, betont Prof. Dr. Dieter C. Wirtz, von der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, der in diesem Jahr das Programm mit zusammengestellt hat. Seine radiologischer Kollege, Prof. Dr. Klaus Bohndorf, bescheinigt dem Petersberger Symposium zudem ein hohes Niveau. Dass sich das Symposium zu einem Treffpunkt unter engagierten Kollegen entwickelt hat, belegen zudem die beiden Spezialisten. „Der netteste Nebeneffekt ist, dass wir uns hier wiedergetroffen haben“, freut sich Bohndorf.

Was will der Orthopäde vom Radiologen wissen und umgekehrt? Nicht immer erhält die jeweilige Disziplin die Antworten von ihrem Counterpart, die sie für die erfolgreiche Behandlung des Patienten oder einen reibungslosen Ablauf benötigt. Bohndorf und Wirtz machen dafür mehrere Faktoren aus und erläutern sie im Gespräch mit VisionUpdate.

„Das gemeinsame Handeln ist per se gegeben und man muss sich auch aufeinander verlassen können“, fordert Wirtz. Selten steckt Böswilligkeit dahinter, wenn es mit der Verständigung nicht klappt: Jede Disziplin habe eine andere Sicht- und Herangehensweise. „Der Kliniker hat eben den klinischen Blick: Er schaut dort aufs Bild, wo es weh tut. Der Radiologe betrachtet das Bild unter morphologischen Aspekten.“

Für diesen Austausch sind Treffen wie das Petersberger Symposium von großer Bedeutung. „Was braucht der Orthopäde oder Unfallchirurg wirklich vom Radiologen, damit er seine Therapie einleiten kann? Welches Bild mit welchen Informationen muss der Radiologe liefern, damit der orthopädische Kollege die Aufnahme richtig interpretieren kann. Auch hier gilt das Prinzip, wer gute Fragen stellt, kann entsprechende Antworten erwarten. „Der Orthopäde sollte seine Fragen klar formulieren und der Radiologe klinisches Verständnis mitbringen.“

Eine gemeinsame Sprache ist bei der Befundung darüber hinaus vonnöten. „Kausal umgeschlagene Bandscheiben-Protrusion lautete der Befund eines niedergelassenen radiologischen Kollegen“, berichtet Wirtz, „das war falsch, es konnte sich nur um einen Prolaps handeln. Das sind wichtige Überschneidungsbereiche, wo eine gemeinsame Diktion unerlässlich ist.“

Wirtz macht sich daher für eine Verbesserung der Ausbildung der jüngeren Kollegen stark. Seine Idee: Veranstaltungen wie das Petersberger Symposium sollten regelmäßig und spezialisiert für die einzelnen Fachbereiche angeboten werden. „Fünf Jahre nach der Facharztprüfung, müssen Orthopäden und Unfallchirurgen ihre Fortbildungspunkte präsentieren. Darunter sollte immer auch eine Fortbildung zu einem radiologischen Thema verpflichtend ausgewiesen sein müssen.“

Profil: 
Prof. Dr. Dieter C. Wirtz ist seit 2006 Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie und Geschäftsführender Direktor des Chirurgischen Zentrums am Universitätsklinikum Bonn. Zuvor war Wirtz stellvertretender Direktor der Universitätsklinik für Orthopädie in Aachen. Sein wissenschaftliches Interesse gilt vor allem der Gelenkchirurgie und Endoprothetik.

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