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Alles im Blick – die MTRA in der Praxis

Die Aufgaben und Herausforderungen einer MTRA im Krankenhaus sind durchaus unterschiedlich zu denen in einer Praxis. „Die Fragestellungen sind in der Klinik anders und die Abstimmungen enger, da die Patienten dort oft mit komplizierteren, schweren Erkrankungen vorstellig werden“, sagt Katja Jakobitz, Leitende MTRA in der Praxis Radiologie Nuklearmedizin Adickesallee in Frankfurt am Main. Auch die gelegentlich geäußerte Ansicht, niedergelassene Radiologen seien nicht sonderlich innovationsfreudig und wollten weniger investieren als ihre Kollegen im Krankenhaus, hält sie für unbegründet.

„Grundsätzlich sind die Aufgaben einer MTRA gleich, egal ob sie in einem Krankenhaus oder einer Praxis arbeitet“, weiß Jakobitz. Zu den klassischen bildgebenden Untersuchungen in einer Praxis gehören sowohl das Röntgen, aber selbstverständlich auch MRT, CT und Ultraschall. Letzterem sagt man nach, dass es in der Niederlassung kaum noch angewendet wird, da sich der Aufwand nicht mehr lohne. Jakobitz kann das nicht bestätigen: „In unserer Praxis ist das definitiv nicht der Fall. Die unterschiedlichen Untersuchungsmöglichkeiten sollten sich die Waage halten und dann angewendet werden, wenn sie diagnostisch sinnvoll sind – alles andere hat mit einer guten Medizin nichts zu tun.“ Nichts desto trotz bestätigt Jakobitz auch, dass die Nachfrage nach MRT- und CT-Untersuchungen deutlich angestiegen ist und innovative Geräte auch finanziert werden müssen.

Um bei der schnellen technologischen Entwicklung in der Radiologie als MTRA mithalten zu können, ist Weiterbildung für Jakobitz ganz entscheidend. Während die MTRAs insbesondere in Unikliniken regelmäßig zu Fortbildungen verpflichtet werden und diese auch bezahlt bekommen, sieht es im niedergelassenen Bereich etwas anders aus. „Wir müssen uns selbstständig um unsere Weiterbildung kümmern, Kongresse besuchen und regelmäßig Fachzeitschriften lesen, um up-to-date zu bleiben. Größere Praxen oder Praxisgemeinschaften tragen oft die Kosten für diese Fortbildungen, während das kleineren Einrichtungen eher schwerfällt.“ Neben dem Aspekt der Weiterbildung bieten radiologische Kongresse und Veranstaltungen auch die Möglichkeit des Austauschs mit Kollegen. „Im Berufsalltag gibt es dazu leider nur selten Gelegenheit, aber auf Kongressen tauschen wir uns über unsere Arbeit aus und nehmen gerne Anregungen auch von Kolleginnen aus der Klinik mit in das eigene Arbeitsumfeld.
 


Gerade was die Fort- und Weiterbildung angeht, kommt Jakobitz ihre Aufgabe als Applikationsspezialistin für b.e. imaging zu Gute: Als Kontrastmittelexpertin führt sie aktuell ein neues Präparat für die Prostatadiagnostik ein, wodurch sie regelmäßig Einblicke in die Arbeit an Unikliniken bekommt. Zu ihren Aufgaben gehören die komplette Vorbereitung der Kontrastmitteluntersuchung, die Unterstützung bei den Injektionen sowie die Untersuchung im MRT. Die so gewonnenen Einblicke in die Untersuchungsabläufe teilt sie mit den Radiologen in der Praxis. Kommt dabei heraus, dass bestimmte Abläufe oder Methoden in der eigenen Praxis besser organisiert werden könnten, veranstaltet die Applikationsspezialistin interne Fortbildungen für die anderen Mitarbeiter. Großer Beliebtheit erfreuen sich unter den MTRAs auch interne Fortbildungen zur Anatomie. „Wenn ein Radiologe zum Beispiel das Thema Gelenke aufgreift und mit uns anhand von Aufnahmen konkrete Fälle bespricht und seine Diagnose erläutert, bekommen wir eine ganz andere Vorstellung über die eigentliche Erkrankung des Patienten“, erklärt Jakobitz. „Mit diesem Wissen können wir dann bei der nächsten Untersuchung präziser arbeiten, wovon wiederum alle Seiten profitieren.“

Wollen vor allem Frauen nach wie vor MTRA werden? Laut Jakobitz zeichnet sich da ein neuer Trend ab: „Seitdem der Beruf immer technischer wird, interessieren sich auch mehr Männer dafür. In unserer Praxis liegt das Verhältnis jetzt schon bei 70 zu 30 Prozent. Die Zusammenarbeit mit den männlichen Kollegen verläuft gut, an einigen Stellen sogar ausgeglichener.“

In einem Punkt ist sich die Leitende MTRA, unabhängig von männlichen oder weiblichen Kollegen, Klinik oder Praxis, ganz sicher: „Ich würde mich heute wie damals immer wieder für diesen Beruf entscheiden. Die Kombination aus Patientenkontakt und der Arbeit mit den hoch technischen Geräten macht den besonderen Reiz aus.“
 

Profil

Katja Jakobitz hat ihre Ausbildung zur Medizin-technischen Radiologieassistentin von 1993-1995 in den Städtischen Kliniken Dortmund absolviert und mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Von 1995-2002 war sie im MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner in Dortmund tätig. Seit April 2002 ist sie Leitende MTRA in der Radiologie und Nuklearmedizin Adickesallee in Frankfurt. Zusätzlich arbeitet Jakobitz als freiberufliche Applikationsspezialistin für Siemens Healthineers und seit 2015 als Consultant/Applikationsspezialistin bei der Firma b.e.imaging.

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