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Bildgebung bei COVID-19-Patienten

Neben Labortests des Blutes hat sich die diagnostische Bildgebung als wichtiges Instrument zur Bestimmung der Coronavirus-Erkrankung COVID-19 erwiesen. Prof. Dr. Hans-Ulrich Kauczor, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, erklärt, in welchen Fällen Bildgebung bei SARS-CoV-2-Infektionen eingesetzt wird und welche Fragen zum diesem neuen Krankheitsbild noch geklärt werden müssen.

CT-Diagnostik mit vielen Unbekannten

Handfeste Vorteile bringt die Bildgebung bei Patienten, die positiv auf COVID-19 getestet wurden und deren Gesundheitszustand sich verschlechtert. „Wir haben festgestellt, dass die Bildgebung per CT in diesen Fällen einen eindrucksvolleren Befund zeigt als die klinische Untersuchung, die Körpertemperatur oder Sauerstoffsättigung“, berichtet der Radiologe. „Das Ausmaß der pulmonalen Infiltrate im CT-Bild kann als wichtiger Hinweis genutzt werden, ob der Patient intensivmedizinisch betreut werden muss.“

Sinnvolle Ergänzung zur Labordiagnostik

Die CT-Bildgebung kann auch dann weiterhelfen, wenn der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion besteht, der Laborbefund aber noch nicht vorliegt – oder trotz klarer COVID-19-typischer Symptomatik negativ ausfällt: „Das gilt vor allem für Patienten mit Fieber und erheblichen respiratorischen Symptomen. Liegt hier eine Diskrepanz zwischen klinischem und Laborbefund vor, erstellen wir eine CT-Aufnahme, um die Ursache abzuklären und die Schwere der Erkrankung festzustellen.“ Ursprünglich wurde auch das Röntgen-Thorax für Diagnostik und Triage von Verdachtspatienten diskutiert, stellte sich jedoch wegen geringer Sensitivität als wenig geeignet heraus.

Da es sich bei der COVID-19-Pandemie um ein vergleichsweise neues Phänomen handelt, ist auch die Bildgebung der Infektion einem ständigen Evaluationsprozess unterworfen: „Tatsächlich stellen sich die Fälle im CT zumindest einigermaßen einheitlich dar“, zieht Kauczor Zwischenbilanz. In der Praxis hat sich eine Art Ampelsystem bewährt – grün für asymptomatische Patienten, gelb für Patienten mit bekannten Vorerkrankungen der Lunge, bei denen auch COVID-19 als Auslöser für die aktuellen Symptome in Frage kommt, rot schließlich für typische Veränderungen. „Dazu zählen wir milchglasartige Dichteanhebungen mit Konsolidierungen. Der Schweregrad hängt dabei von der Anzahl der Herde ab; Patienten mit mehr als drei solcher Konsolidierungen stufen wir als ‚schwer‘ ein. Auch überlagerte perilobuläre, streifige Veränderungen deuten auf einen schweren Verlauf hin.“ Patienten, die in letztere Kategorie fallen, werden auf die Intensivstation verlegt, falls noch nicht geschehen.

Die Absicherung der Diagnostik durch die CT-Bildgebung sei insofern sinnvoll, als die Ergebnisse der aktuell erhältlichen Labortests erst nach einiger Zeit verfügbar und bei geringer Sensitivität häufig falsch-negativ sind, erklärt Kauczor und nennt ein Beispiel aus der Praxis: „Ein bei uns untersuchter Patient zeigte im CT-Bild typische Befunde – dennoch fiel der Test bei ihm erst im dritten Anlauf positiv aus.“ Bei einer Dauer von 24 bis 36 Stunden von der Probennahme bis zum Befund entsteht so ein erheblicher Zeitverlust, bis gesichert ist, ob ein Patient COVID-19 hat oder nicht. „Das CT ist hier deutlich sensitiver“, betont der Radiologe.

Viele Faktoren sind noch unbekannt

Eine Herausforderung stellt zum jetzigen Zeitpunkt die bildgebende Verlaufskontrolle dar: „Es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse, wie lange die COVID-19-bedingten Veränderungen in der Lunge sichtbar bleiben, nachdem die Erkrankung abgeheilt ist. Auch die Folgen einer invasiven Beatmung, wie sie in einigen Ländern sehr früh eingesetzt wird, sind noch nicht abzusehen. In einigen Fällen dürfte der Beatmungsschaden sogar schwerer wiegen als der Schaden, der durch die Pneumonie selbst ausgelöst wird.“ Dabei spielt auch der Aspekt des Mitarbeiterschutzes eine Rolle, da ein ‚hart‘ beatmeter Patient mit Tubus nicht hustet und so weniger Gefahr für das Klinikpersonal darstellt. In Deutschland kommt bisher häufig zunächst eine nicht-invasive Beatmung mit einer Druckunterstützung über die Nase erfolgreich zum Einsatz. „Damit haben wir bislang sehr gute Erfahrungen gemacht“, resümiert Kauczor. „Wie verfahren wird, wenn mehr und schwerere Fälle von COVID-19-Erkrankten in den Kliniken aufgenommen werden, lässt sich aber nicht abschätzen. Der große Patientenansturm, der von einigen befürchtet wird, ist noch nicht da. Aktuell bereiten wir uns einfach so gut es geht vor.“

Profil:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Kauczor studierte Ende der 1980er Jahre in Bonn und Heidelberg Medizin und arbeitete danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Radiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), die er viele Jahre später – von 2003 bis 2007 – leiten sollte. An der Kölner Universität erwarb er seinen Doktor und habilitierte sich an der Universität Mainz. Seit 2003 ist er Professor für Diagnostische Radiologie an der Universität Heidelberg, an der er 2008 die Ärztliche Direktion der Radiologischen Klinik übernahm.

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