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Gebührenordnung wartet auf den letzten Schliff

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist ein Dauerstreitthema im Gesundheitswesen. Seit etlichen Jahren laufen die Verhandlungen zwischen Bundesärztekammer (BÄK) und dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). Jetzt scheint eine Novellierung endlich in Sicht.

Kein großer Wurf, aber fast geschafft

Das Jahr 1982 wird mittlerweile historisch verbucht. Helmut Kohl wurde Bundeskanzler, die Schauspiellegende Romy Schneider starb und bei der Fußball-EM verwies Italien die BRD auf den zweiten Platz, ein geeintes Deutschland gab es noch nicht. Aus diesem Jahr stammt die derzeit gültige Gebührenordnung, die mit kleineren Modifikationen bis heute Anwendung findet. Den Stand der Wissenschaft bildet das Honorarverzeichnis längst nicht mehr ab, neue Leistungen müssen über Analogziffern abgerechnet werden. Und auch die Höhe der Vergütung ist steckengeblieben. „Es ist, als würde das Brötchen genauso viel kosten wie vor Jahrzehnten,“ zieht André Hoppen, Geschäftsführer beim Radiologie-Verbund radprax, den Vergleich.

Der Wirtschaftsfachmann sieht insbesondere die Radiologie in Bedrängnis. „Die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen sind immens: Wir sind heute bei der 3-Tesla-Magnetresonaztomographie angelangt, und wir wollen unseren Patienten diese moderne Technik anbieten. Der technische Fortschritt kostet aber sehr viel Geld“, weiß Hoppen. Doch auch die reinen Betriebskosten sind gestiegen. „Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie sind sehr energieintensiv. Die Kostensteigerungen wie beispielsweise durch die EEG-Umlage haben keinerlei Berücksichtigung in der Vergütung gefunden“, betont der Ökonom.

Nun scheint ein entscheidender Schritt geschafft: Mittlerweile liegt ein von der Ärzteschaft, der PKV und der Beihilfe erarbeitetes, nahezu fertiges Konzept vor, das auf seinen „Feinschliff“ wartet. „Letzte Details könnten wir kurzfristig mit der Ärzteschaft abstimmen und dieses dem Gesundheitsministerium zur Verfügung stellen“, erklärt ein PKV-Sprecher. Grünes Licht hatte Ende Januar dieses Jahres auch die Wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) gegeben. Die Kommission regte zwar eine „partielle Harmonisierung“ der ärztlichen Leistungslegendierung zwischen PKV und GKV an, sprach sich aber für den Beibehalt des zweigliedrigen Systems aus.

Damit läge die Novellierung dann in den Händen der Politik: Denn bei der GOÄ handelt es sich um eine Rechtsverordnung, die durch die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats erlassen wird. „Wir hoffen, dass das Procedere zügig voranschreitet“, formuliert Hoppen vorsichtig. Er glaubt an eine Umsetzung spätestens nach der nächsten Bundestagswahl.

Was das Leistungsverzeichnis schlussendlich beinhaltet, ist nach wie vor geheim. Folgendes scheint sich abzuzeichnen: Das Leistungsverzeichnis wird viel detaillierter als bisher ausgestaltet sein, einige Beratungen bekommen eine Zeittaktung. Viele Umstände bei der Leistungserbringung, bei denen es häufig Auseinandersetzungen um die Berechnung zusätzlicher Ziffern und Faktorerhöhungen gab, werden durch die Einführung von Zuschlägen aufgefangen. Mit kalkulierten Einfachsätzen (1,0-facher Faktor) wird eine dem 1,8-fachen Faktor entsprechende Bewertung geschaffen. Eine Steigerung wird wohl nur im Einzelfall erlaubt sein. Die Möglichkeit zur Analogabrechnung soll erhalten bleiben.

Trotz der Anpassung geht Hoppen nicht von einem „großen Wurf“ aus. „In der Kassenmedizin stehen wir vor der Herausforderung, mehr Patienten pro Zeiteinheit behandeln zu müssen – im privaten Bereich werden wir vermutlich ähnlich verfahren müssen“, bleibt Hoppen skeptisch.

Profil:

André Hoppen ist seit August 2019 geschäftsführender Gesellschafter der radprax Holding. Bereits seit 2011 ist er Mitglied der Geschäftsleitung bei diesem Radiologieverbund, der zu einem der größten in NRW gehört.

In der Zeit von 2002 – 2010 war Hoppen zunächst als Accountmanager bei einem Medizintechnikhersteller tätig. Danach arbeitete der studierte Gesundheitsökonom bei einem Finanzdienstleister zuletzt als Prokurist und Leiter Vertrieb Deutschland im Gesundheitswesen mit Schwerpunkt Praxis-, Krankenhaus- und Seniorenzentrenfinanzierung.

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