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"Ich lerne viel von erfahrenen Kollegen"

Treffen der Generationen - Teil 1

War früher wirklich alles besser? Was fortgeschrittene Semester gerne behaupten, stößt beim Nachwuchs in der Radiologie auf Skepsis. Veraltetes Equipment, geringer Strahlenschutz und wenig Zeit für Privatleben sind für junge Radiologen nicht verlockend. Für die Pioniere der Radiologie waren die Anfangstage allerdings von großem Reiz: Sie waren Zeuge bahnbrechender Fortschritte und in ihrem Fachgebiet unangefochtene Koryphäen. Zwei Radiologen, zwischen denen mehr als drei Jahrzehnte liegen, berichten, wie sie in Zeiten von AI-Analyse und Work-Life-Balance über den Wandel ihres Fachgebiets denken.

Die Radiologie ist wie kaum ein anderes medizinisches Fach im Wandel begriffen – und einige der bevorstehenden Entwicklungen werden von erfahrenen Radiologen mit Besorgnis betrachtet. Doch wie denkt der Nachwuchs über die Zukunft der Disziplin? Dr. Fabian Rengier, 31-jähriger Assistenzarzt an der Radiologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg, berichtet, wie er sein Fachgebiet im Spannungsfeld zwischen steigendem Patientenkontakt, Work-Life-Balance und Konkurrenz durch Computeralgorithmen wahrnimmt.

„Mein Interesse an der Radiologie hat relativ früh begonnen“, sagt Rengier. „Schon während des Studiums habe ich angefangen, als wissenschaftliche Hilfskraft in der Radiologie zu arbeiten.“ Insbesondere der starke anatomische Bezug und die hochentwickelte Technik üben eine starke Anziehungskraft auf ihn aus. Vor allem die kardiovaskuläre und muskuloskelettale Radiologie sind für Rengier interessant, dort will sich der 31-Jährige weiter spezialisieren. Ein breites Fachwissen sollte das jedoch nicht ersetzen: „Ich bin davon überzeugt, dass das Fach auch Allrounder braucht, die in allen Bereichen der Radiologie Bescheid wissen. Gerade in Notdiensten ist es erforderlich, sich in ganz verschiedenen Aspekten auszukennen.“

Lernen von den Kollegen, aber auch von anderen Disziplinen

Das Wissen erfahrener Kollegen spielt bei der Facharztausbildung eine erhebliche Rolle – sowohl bei diagnostischen als auch bei interventionellen Fertigkeiten. „Einige Dinge muss man selbst ausprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, das kann einem niemand abnehmen“, berichtet Rengier. „Aber man braucht auch Tipps zur Herangehensweise. Da ist das Wissen erfahrener Radiologen extrem wichtig, um weiterzukommen.“ Auch in der Diagnostik stößt man mit reinem Fachbuchwissen schnell an Grenzen. „Gerade hinsichtlich Problemlösungsstrategien bei schwierigen oder unklaren Fällen kann ich als junger Radiologe erheblich von erfahrenen Kollegen profitieren.“

Dabei bleiben die Radiologen längst nicht mehr unter sich; die Kommunikation mit anderen Fachbereichen ist für den Nachwuchs zu einer Selbstverständlichkeit geworden. „Interdisziplinärer Austausch ist sehr wichtig“, sagt Rengier. „Zum Beispiel ist es spannend, bei radiologisch unklaren Befunden zu sehen, wie sich der Fall im OP darstellt. Daraus kann man viel lernen und bei der späteren Arbeit berücksichtigen.“ Zudem steigt mit dem interdisziplinären Austausch auch die Akzeptanz der radiologischen Befundung, ist der Assistenzarzt überzeugt: „Wenn man sich direkt austauscht, merkt der Zuweiser, dass auch der Radiologe über Expertise verfügt und misst seinem Befund mehr Bedeutung bei.“

AI, Big Data & Co. – Chancen erkennen statt Änderungen fürchten

Vor der erwarteten Umwälzung der Radiologie durch moderne Technologien wie Artificial Intelligence (AI) und Big Data hat der junge Radiologe keine Angst. „Im Gegenteil; ich denke, das ist eine große Chance für die Medizin insgesamt und die Radiologie im Besonderen. Einige befürchten, dass Radiologen durch AI vollständig abgelöst werden könnten. Ich persönlich glaube das nicht“. Statt den Menschen zu ersetzen, hat die Technik das Potenzial, ihn in seiner Alltagsarbeit erheblich zu unterstützen. „Das könnte den Radiologen in Zukunft viele repetitive Arbeiten abnehmen. Dafür können sie sich Aufgaben widmen, die ansonsten zu kurz kommen; dem Austausch mit Kollegen anderer Fachdisziplinen oder schwierigen Fällen, für die man ansonsten nicht so viel Zeit hätte.“

 

Auch für die Beratung von Patienten würden dann zusätzliche Kapazitäten frei. Für Rengier ist auch das eine begrüßenswerte Entwicklung: „Im Rahmen meiner Weiterbildung war ich für drei Monate in einer privaten Praxis. Dort spielt der Austausch mit den Patienten eine ganz andere Rolle als etwa an der Universitätsklinik. Meine persönliche Erfahrung war, dass sich durch das Patientengespräch durchaus der Blick auf die Untersuchung ändern kann. Oft findet man so leichter den springenden Punkt einer Untersuchung und kann bestimmte Symptome in Einklang bringen. Das ist ein persönliches Erfolgserlebnis – man weiß, dass man die Grundlage dafür gelegt hat, dass ein bestimmtes Problem angegangen wird.“

Der engere Kontakt zu Patienten hat allerdings auch Schattenseiten: „Ein Patient, der nach einem Sportunfall Schmerzen hat, ist froh, wenn man das Problem gefunden hat. Mit einem Patienten, der eine Krebs- oder Rezidivdiagnose erhält, führt man ganz andere Gespräche.“

Zwischen Engagement und Work-Life-Balance

Anstatt den Wandel in der Radiologie einfach hinzunehmen, will Rengier die Zukunft des Fachs aktiv mitgestalten: „Themen wie AI werden eine zunehmend wichtige Rolle spielen und wir müssen uns engagieren, um weiterhin vorne mitzuspielen. Denn wenn es die Radiologen nicht tun, wird es jemand anderes tun – und die Radiologie wird an Bedeutung verlieren.“ Neben wissenschaftlichem Engagement sieht der 31-Jährige eine wichtige Rolle in der Arbeit von Organisationen wie der Deutschen Röntgengesellschaft und der ESR, die sich zu zukunftsträchtigen Themen wie der strukturierten Befundung in Position bringen.

Diesem Engagement kommt auch das neue Arbeitsverständnis zugute, das mit dem Nachwuchs zunehmend Einzug in die Radiologie hält. Der Schlüsselbegriff ist hier die Work-Life-Balance, also die Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Privatleben: „Die Ansprüche, die diese Generation an ihre Arbeitgeber stellt, sind schon in vielen Bereichen umgesetzt worden“, konstatiert Rengier. Denn nicht jeder junge Radiologe ist bereit, nach 12 Stunden am CT noch aus eigenem Antrieb zu forschen oder sich in einer radiologischen Gesellschaft einzubringen. „Ich finde es gut, dass es mittlerweile möglich ist, in der Klinik und Wissenschaft aktiv zu sein, ohne dass zwangsläufig die Familie zu kurz kommt.“

 

Profil:

Dr. Fabian Rengier ist seit 2012 Assistenzarzt an der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Heidelberg, wo er auch sein Medizinstudium absolvierte.

Seit Anfang 2018 ist er Projektleiter (Principal Investigator) im Bereich Plattform-Bildgebung am Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Rengier ist Mitglied vieler deutscher, europäischer und internationaler Radiologieorganisationen, darunter der Deutschen Röntgengesellschaft, der European Society of Radiology (ESR) und der Radiological Society of North America (RSNA). Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der kardiovaskulären und muskuloskelettalen Radiologie.

 

Bildquelle: Andrey_Popov/Shutterstock.com

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