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Künstliche Intelligenz: Das große Rennen um die Vorreiterschaft

Ein Computersystem, das Tumoren in Ganzkörper-Magnetresonanztomografien erkennen soll; ein analytisches Tool, mit dem sich aus radiologischen Bildern Rückschlüsse auf das Osteoporoserisiko ziehen lassen; ein Algorithmus, der anhand von präoperativen CT-Scans das Überleben von Patienten nach einer Lebertransplantation vorhersagen kann: Immer stärker macht sich in der Radiologie die Künstliche Intelligenz breit – und das führt unter Radiologen zu Verunsicherung. Kaum noch ein großer Radiologie-Kongress ohne eine Session, die die bange Frage zum Thema hat: Macht der Computer die Radiologen überflüssig?

„In Bewerbungsgesprächen fragen mich derzeit junge Assistenzärzte: Herr Professor, wird der Radiologe vom Computer abgelöst?“, ärgert sich Prof. Dr. Bernd Hamm. Geht es nach dem Leiter der Klinik für Radiologie der Berliner Charité, sind diese Befürchtungen ‘Quatsch‚: „Die Hauptprobleme sehe ich darin, dass zu viel über Künstliche Intelligenz geredet wird. Und in der Regel immer nur nach dem Motto: ,Only bad news are good news‘.“ Selbstverständlich werde mittelfristig Künstliche Intelligenz in Teilbereichen der Radiologie Einzug halten, räumt Hamm ein – allerdings mit zwei Einschränkungen: „Artificial Intelligence“ (AI) komme nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung für den Radiologen, als Entscheidungshilfe. „Die Entscheidungen wird noch immer der Radiologe fällen“, ist der Berliner Klinikleiter überzeugt. Außerdem werde die Dynamik des technischen Fortschritts allgemein überschätzt, meint Hamm und verweist auf das von IBM entwickelte AI-Programm Watson: „Watson ist noch immer weit von einem klinisch relevanten Einsatz entfernt. Und Watson arbeitet seit 2006 – daran kann man ersehen, dass die Entwicklung, die oft als so rasant dargestellt wird, in Wahrheit gar nicht so rasant verläuft.“ Überdies dauerten Innovationen in der Medizin immer länger als anderswo, argumentiert Hamm: „Das automatische Autofahren kommt wahrscheinlich schneller als der Automatismus in der Medizin.“

Interessante Überlegungen stellt Hamm darüber an, wer eigentlich die Vorreiterrolle bei der Etablierung von Künstlicher Intelligenz einnehmen wird: die Industrie, die akademische Forschung oder gar die Verlage? „Die Akademien verfügen über das Wissen und die Daten, haben aber in der Regel nicht das nötige Geld. Die Gerätehersteller haben das Geld, kommen auch an die Bilder heran, aber sie können sie nicht interpretieren. Und die Verlage verfügen mit ihren Büchern und Artikeln über das Wissen und haben auch das Geld.“ Und schließlich gebe es noch die großen, globalen Player wie Google oder IBM. Wer sich in diesem Rennen durchsetze, sei völlig unklar, so der Berliner Radiologe.

An seiner Klinik an der Charité jedenfalls laufen zwei Forschungsprojekte in Sachen Künstliche Intelligenz. Bei dem einen wird mittels AI-Methoden bewertet, wie gut die kardiovaskuläre Bildgebung im Vergleich zu Laboranalysen und Herzkatheteruntersuchungen abschneidet. Das andere Projekt beschäftigt sich mit der Aggresssivitätseinstufung des Prostatakarzinoms. Dabei handelt es sich um ein Software-Tool, das anhand von T1- und T2-gewichteten MRT-Bildern, Diffusionsbildgebung, Perfusionswerten sowie zahlreichen anderen klinischen Daten – etwa Genanalysen – lernt, hochaggressive von weniger aggressiven Prostatakarzinomen zu unterscheiden. „Wir versuchen zu erkennen, welche Information noch in den Bildern steckt, die wir heutzutage gar nicht richtig erfassen oder auswerten können“, berichtet Hamm und führt einen der großen Vorteile Künstlicher- Intelligenz-Verfahren ins Treffen: „Aus digitalen Bildern kann man weit mehr herauslesen, als mit dem menschlichen Auge erfassbar ist.“

Profil:

Prof. Dr. Bernd Hamm leitet seit Oktober 2010 den Lehrstuhl für Radiologie und ist Direktor der fusionierten Radiologie der 3 Kliniken der Charité. Bereits zum Studium kam der gebürtige Frankfurter nach Berlin an die Freie Universität. Nach seiner Habilitation berief ihn die Freie Universität Berlin 1993 zum C3-Professor für klinische Radiologie. 1994 folgte er dem Ruf der Humboldt-Universität zu Berlin auf die C4-Professur für Radiologie der Charité. Anschließend übernahm er die Leitung der fusionierten Radiologie der Charité – Campus Mitte, Campus Virchow-Klinikum und Campus Benjamin Franklin. Seit 2006 ist er zudem Leiter des Charité Centrums 6 sowie fachlicher Leiter mehrerer MVZ der Charité für die Fächer Radiologie und Nuklearmedizin. 2017 hat Prof. Hamm das Amt des Präsidenten der European Society of Radiology übernommen sowie die Präsidentschaft des European Congress of Radiology 2018.

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