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Lebertumoren: Interventionen sind vielfältig einsetzbar


Bleiben kurative Verfahren erfolglos, erzielen kathetergesteuerte Interventionen wichtige Erfolge im Kampf gegen Lebertumoren.

Für die Therapie von Lebertumoren werden drei Methoden eingesetzt – Resektion, lokalablative Ansätze und kathetergesteuerte Interventionen. Es gibt jedoch klare Präferenzen bei der Wahl der Methode, berichtet Prof. Dr. David Maintz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universitätsklinik Köln: „Können Metastasen oder primäre Lebertumoren via Resektion chirurgisch entfernt werden, dann ist dies die favorisierte Methode. Ist dies nicht möglich, steht die Destruktion von Gewebe im Vordergrund, dafür werden perkutane Verfahren eingesetzt und Tumoren beispielsweise via Radiofrequenz oder Mikrowelle abladiert. Erst wenn kein kurativer Ansatz mehr möglich ist, kommen kathetergesteuerte Interventionen mit palliativem Charakter zum Einsatz.“

Da jedoch Lebertumoren nicht immer frühzeitig diagnostiziert werden, sind Interventionen eine wichtige Maßnahme, um auch bei fortgeschrittener Erkrankung deren Verlauf noch günstig zu beeinflussen. Dabei bleiben Diagnostik und Therapie streng getrennt: „Vor der Therapieeinleitung wird immer ein interdisziplinärer Tumorboardbeschluss gefällt, der interdisziplinär die bestmögliche Behandlung avisiert“, erklärt der Radiologe.

Die kathetergesteuerte Intervention bei der Leber kann Krebspatienten wertvolle Lebenszeit schenken, da dank ihr oft das Tumorwachstum verlangsamt oder sogar völlig eingedämmt werden kann: „Der Erfolg hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Nicht nur die Art der Erkrankung, sondern auch der Zeitpunkt der Diagnose und die Beschaffenheit der Entitäten sind entscheidend, dennoch können mit kathetergesteuerten Interventionen in vielen Fällen Monate oder sogar Jahre für die Patienten gewonnen werden.“

Pat. mit Lebermetastasen eines Prostata-Karzinoms vor SIRTBei einem interventionellen Eingriff wird der Katheter in der Leberarterie über einen Zugang in der Leiste platziert. „Die Positionierung ist variabel und hängt davon ab, ob das gesamte Organ behandelt oder nur selektiv eingegriffen wird.“ Im Anschluss an die Positionierung werden therapeutisch wirksame Mittel appliziert. „Zwei Verfahren sind hier maßgeblich: die transarterielle Chemoembolisation (TACE) und die selektive interne Radiotherapie (SIRT). Bei der Chemoembolisation werden mit einem Chemotherapeutikum versetzte Partikel in die Leber eingeschleust, die die kleinen arteriellen Gefäße komplett versiegeln oder zumindest deren Durchblutung einschränken und zusätzlich eine zytotoxische Wirkung vor Ort entfalten“, erklärt Prof. Maintz „Bei der SIRT werden radioaktive Partikel in die Leber eingebracht, deren Wirkung einer Strahlentherapie entspricht.“

Welches Verfahren wann zum Einsatz kommt, hängt stark von Ausmaß und Anzahl der Läsionen ab. „Bei einem hepatozellulären Karzinom von zwei Zentimetern Größe kommen beispielsweise die Resektion oder die Radiofrequenzablation mit einem Heilungsansatz in Frage, je nachdem wie gut der Tumor chirurgisch zu erreichen ist. Grundsätzlich gilt, je selektiver ein Tumor behandelt werden kann und je weniger gesundes Gewebe geschädigt wird, desto besser“, konkretisiert der Radiologe. Dies betrifft auch die kathetergesteuerten Interventionen. „Bei vereinzelten, hypervaskularisierten Tumoren erzielt die Embolisation gute Ergebnisse, da die Reduktion der Durchblutung den Tumor geradezu austrocknet. Ist die Anzahl der Metastasen jedoch hoch, ist ein umfassenderer Ansatz vonnöten. Hier kommt die SIRT zum Zug.“

Die MRT des gleichen Patienten 3 Monate nach SIRT-Therapie zeigt ein deutliches   Therapieansprechen.Grundsätzlich können alle genannten Leberinterventionen auch wiederholt werden. Gerade die Chemoembolisation wird oft mehrfach angewendet: „Da ihre Wirkung nach einiger Zeit nachlässt, wird sie üblicherweise nach sechs bis acht Wochen wiederholt. Auch die SIRT kann grundsätzlich wiederholt werden.“ Es gibt also ein großes therapeutisch-palliatives Potenzial, das durch Interventionen ausgereizt werden kann. „Erst wenn kein ausreichender Effekt mehr zu verzeichnen ist, werden die Interventionen ausgesetzt.“

Wie in allen onkologischen Fällen ist auch beim Lebertumor die Früherkennung für die Heilungschancen essenziell. Einen Beitrag dazu könnte künftig die computergestützte Diagnostik leisten. „Denn die Bilderkennung durch unterstützende Software ist kein Hype, sondern ein Thema, das uns für viele Jahre beschäftigen wird“, prognostiziert David Maintz. „Die Radiologie erhält durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz viele Chancen. Zwar wird in naher Zukunft kein Computer einen Katheter selbstständig setzen können, aber die Unterstützung bei der Diagnose und die Entlastung durch KI werden unseren Alltag positiv beeinflussen, da bin ich mir ganz sicher.“

Profil:

Nach dem Studium der Medizin in Berlin und Bonn promovierte Prof. Dr. David Maintz 1998 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und habilitierte sich 2004 zum Thema „CT- und MR-Angiographie der Iliakal- und Koronararterien nach Stenttherapie“. Sein beruflicher Werdegang führte ihn unter anderem 2002 an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster. 2009 wurde er zum außerplanmäßigen Professor berufen. Seit 2012 ist Maintz Direktor des Institutes für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Köln.

Veranstaltungshinweis:

Prof. David Maintz spricht beim 11. Petersberger Symposium „Radiologie meets Viszeralmedizin“ am 6./7. Oktober im Hotel Kameha Grand Bonn über „Katheter-gesteuerte Interventionen der Leber“

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