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Oft hilft nur das persönliche Gespräch


Die Zusammenarbeit zwischen Radiologe und Chirurgie in der abdominellen Diagnostik Abdominelle Schmerzen können viele Ursachen haben. Um ihnen auf den Grund zu gehen, kommen bildgebende Verfahren wie MRT und CT regelmäßig zum Einsatz. Damit eine radiologische Befundung den Kliniker darin unterstützt, eine erfolgreiche Differentialdiagnose zu stellen, muss sie allerdings entscheidende Hinweise auf seine Fragen liefern. Welche das sind? Das fragt man den Kliniker am besten selbst. Beim “MR-Abdomen Hands-on-Workshop” am 14. Oktober* steht Prof. Dr. Martin Angele dazu Rede und Antwort. Er ist Leitender Oberarzt und Bereichsleiter Onkologische Chirurgie an der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie der LMU München, Klinikum Großhadern.

Prof. Angele hat klare Vorstellungen davon, was einen guten Radiologen auszeichnet: „Er sollte ausreichend klinische Kenntnisse haben. Dazu gehört auch, dass er die Anamnese und die Verdachtsdiagnose des Patienten in seine Untersuchungsstrategie miteinbezieht. Nur dann kann er sich für die Bildgebungsmethode entscheiden, die im gegebenen Fall die geeignetste Lösung darstellt. Wenn der Patient beispielsweise über Schmerzen im linken Oberbauch klagt und Verdacht auf eine Sigmadivertikulitis besteht, dann sollte der Radiologe direkt eine CT-Untersuchung mit rektaler Kontrastmittelfüllung durchführen. Bei einer onkologischen Erkrankung wie einem Pankreaskopftumor sollte er hingegen ein CT fahren, bei dem sowohl die Arteria mesenterica superior und der Truncus coeliacus in Bezug und Relation zum Tumor zu erkennen sowie auch die Pfortader, speziell die Vena mesenterica superior, zu beurteilen sind. Dazu muss der Radiologe allerdings gute Kenntnisse über das vorliegende Krankheitsbild haben.“

Schnittbildgebung eines retroperitonealen Liposarkoms vor Resektion.

Dass dies nicht immer der Fall sei, stelle ein großes Problem in der abdominellen Diagnostik dar, das häufig zu Doppeluntersuchungen führe, berichtet der Münchner Chirurg aus Erfahrung. Nicht selten sieht er sich mit Befundberichten konfrontiert, in denen Bilder mehr umschrieben als interpretiert werden. Eine fachmännische Einschätzung des Radiologen über den erhobenen Befund erleichtert dem Chirurgen ganz erheblich, die richtigen Entscheidungen hinsichtlich eines operativen Eingriffs zu treffen.

Damit eine radiologische Untersuchung also einen echten Informationsgewinn bringt, hilft oftmals nur das persönliche Gespräch. „Der Radiologe ist immer nur so gut wie seine Interaktion mit dem Kliniker“, bringt es Angele auf den Punkt. „Ein Radiologe, der vorher Fragen stellt wie ‚Was ist die Indikation?‘ und nachher beim Zuweiser noch einmal abklärt, was er besser machen kann, wird sich auch ständig weiterentwickeln. Dasselbe gilt natürlich auch für uns Chirurgen, wenn wir uns mit den radiologischen Bildern auseinandersetzen. Es ist ein gegenseitiges Lernen.“

Die intraoperative Darstellung zeigt, wie der Chirurg die anatomische Interpretation des CT-Bildes in die Liveanatomie übertragen kann.

 

Während der Chirurg tagtäglich am OP-Tisch steht und deshalb über hervorragende anatomische Kenntnisse verfügt, sind für ihn als Fachfremden insbesondere MRT-Untersuchungen aufgrund ihrer Komplexität häufig schwierig zu deuten. Erhält Martin Angele MRT-Aufnahmen zudem aus externer Quelle, sucht er daher zumeist den Kontakt zu einem radiologischen Kollegen, um mit ihm die Bilder zu besprechen.

Damit der interdisziplinäre Dialog gelingt, braucht es vor allem das Engagement und die Eigeninitiative aller Beteiligten: „Arbeiten Sie mit einem Kollegen oft zusammen, weiß dieser natürlich irgendwann genau, was Sie brauchen. Einen guten Radiologen erkennen Sie auch daran, dass er beispielsweise in den interdisziplinären Tumorboards die für die Therapieentscheidung notwendigen Faktoren systematisch darstellt.“ Da in den eng getakteten interdisziplinären Konferenzen keine Zeit für ein Vieraugengespräch bleibt, bespricht Prof. Angele komplexe Fälle deshalb immer in Ruhe und direkt mit dem Radiologen. So viel Zeit muss sein.

* MR-Abdomen Hands-on-Workshop für Ärzte Samstag, 14. Oktober 2017, München Eine Veranstaltung der netzwerk-wissen Anmeldung: www.netzwerk-wissen.com/Termine Im

Profil:

Prof. Dr. Martin Angele ist Facharzt für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie. Seit 1995 ist er an der Chirurgischen Klinik der Ludwig-Maximilian Universität München, Klinikum Großhadern, tätig. Aktuell als Leitender Oberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie sowie als Bereichsleiter für die Onkologische Chirurgie. Zudem ist er Stellv. Chirurgischer Leiter des Lebertransplantationsprogramms, einem der größten Transplantationsprogramme in Deutschland. 2011 wurde Angele zum Außerplanmäßigen Professor an der LMU München berufen.

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